Eine gute App-Idee fühlt sich überzeugend an. Man sieht die Bildschirme vor sich, erzählt Bekannten davon, alle finden sie gut. Trotzdem bleibt die wichtigste Frage offen, bis echte Nutzer die App in der Hand haben: Installieren sie sie, benutzen sie sie ein zweites Mal, und sind sie bereit, dafür zu zahlen?

Diese Frage lässt sich nicht vollständig vorab beantworten. Man kann aber das Risiko deutlich verkleinern, bevor die ganze App entwickelt ist. Darum geht es in diesem Beitrag.

Die Annahmen aufschreiben

Hinter jeder App-Idee stehen Annahmen. Die meisten davon sind unausgesprochen. Schreiben Sie sie auf, als einfache Sätze:

  • Wer hat das Problem? „Restaurantbesitzer mit mehr als einem Standort.“
  • Wie lösen sie es heute? „Mit Zetteln und einer Excel-Liste.“
  • Warum reicht das nicht? „Weil Bestellungen verloren gehen.“
  • Warum würden sie Ihre App nehmen? „Weil sie schneller ist als der Zettel.“
  • Wer zahlt, und wofür? „Der Betrieb, monatlich, pro Standort.“

Jeder dieser Sätze kann falsch sein. Die Prüfung besteht darin, herauszufinden, welche davon stimmen - und zwar zuerst die, an denen am meisten hängt.

Mit den künftigen Nutzern sprechen

Der günstigste Test ist ein Gespräch. Sprechen Sie mit Menschen, die das Problem haben, bevor irgendetwas entwickelt ist. Fragen Sie nicht „Würden Sie diese App nutzen?“ - darauf sagen fast alle freundlich ja. Fragen Sie stattdessen, wie sie das Problem heute lösen, was es sie kostet und was sie schon ausprobiert haben.

Wer ein Problem wirklich hat, hat meist schon etwas dagegen versucht. Wer noch nie nach einer Lösung gesucht hat, wird Ihre App vermutlich auch nicht suchen.

Hören Sie besonders auf die Stellen, an denen Gesprächspartner lebhaft werden. Und auf die, an denen sie höflich zustimmen, aber nichts nachfragen.

Das Wichtigste ohne App zeigen

Bevor eine Zeile entwickelt ist, lassen sich einige Fragen schon beantworten:

  • Eine einfache Website, die die App beschreibt und um eine Anmeldung für die Warteliste bittet. Wie viele Menschen tragen sich ein?
  • Klickbare Entwürfe der wichtigsten Bildschirme auf dem Handy. Finden Testpersonen den Weg, ohne dass Sie etwas erklären?
  • Den Ablauf von Hand erledigen. Was die App später automatisch tun soll, übernehmen Sie für eine Handvoll Nutzer erst einmal selbst, per E-Mail oder Telefon. So lernen Sie den Ablauf kennen, bevor Sie ihn festschreiben.

Nicht jeder dieser Tests passt zu jeder Idee. Aber jeder ist deutlich günstiger als eine App, die niemand nutzt.

Die erste Version schlank halten

Irgendwann muss entwickelt werden. Dann ist die wichtigste Entscheidung, was die erste Version nicht kann. Fachleute sprechen vom „Minimum Viable Product“ - gemeint ist die kleinste Version, mit der Nutzer das Wichtigste der Idee wirklich verwenden können.

Schlank heißt nicht nachlässig. Die erste Version muss zuverlässig funktionieren, sonst prüfen Sie nicht Ihre Idee, sondern die Geduld Ihrer Nutzer. Schlank heißt: wenige Funktionen, die dafür gut.

Typische Kandidaten für „später“:

  • Einstellungen und Sonderwünsche einzelner Nutzergruppen
  • Auswertungen im Verwaltungsbereich, die über das Nötigste hinausgehen
  • eine zweite Sprache
  • Anbindungen an Programme, die man anfangs auch von Hand bedienen kann
  • alles, was mit „es wäre schön, wenn“ beginnt

Wichtig ist dabei eine Grundlage, auf der die App weiterwachsen kann. Wer die erste Version so schnell entwickeln lässt, dass sie später komplett neu entstehen muss, bezahlt am Ende doppelt. Fragen Sie Ihren Anbieter ausdrücklich, was von der ersten Version bleibt, wenn die Idee aufgeht. Wie ein Anbieter den Aufwand dafür schätzt, erklärt der Beitrag Wie eine Aufwandsschätzung entsteht.

Mit echten Nutzern testen und richtig auswerten

Geben Sie die erste Version einer überschaubaren Gruppe von Nutzern, bevor Sie sie groß bekannt machen. Apple und Google bieten eigene Wege, Testfassungen an ausgewählte Personen zu verteilen.

Schauen Sie dann auf das, was Nutzer tun, nicht nur auf das, was sie sagen:

  • Kommen sie wieder? Eine App, die einmal geöffnet und dann vergessen wird, hat ein Problem, das keine neue Funktion löst.
  • Wo brechen sie ab? Die Stelle, an der viele aufgeben, ist die wichtigste Baustelle.
  • Was fragen sie nach? Wünsche, die mehrere Nutzer unabhängig voneinander äußern, gehören in die nächste Version.
  • Würden sie zahlen? Die ehrlichste Antwort auf diese Frage ist eine Zahlung.

Legen Sie vorher fest, woran Sie Erfolg erkennen. Sonst findet sich im Nachhinein für jedes Ergebnis eine gute Erklärung.

Die Idee anpassen oder aufhören

Selten bestätigt ein Test die Idee genau so, wie sie war. Häufig zeigt sich, dass eine andere Nutzergruppe mehr Interesse hat, dass eine Nebenfunktion die eigentlich gefragte ist oder dass Nutzer für etwas anderes zahlen würden als gedacht. Das ist kein Scheitern, sondern der Zweck der Prüfung.

Manchmal zeigt der Test auch, dass die Idee nicht ankommt. Dann haben Sie das früh und günstig erfahren. Auch das ist ein Ergebnis.

Checkliste

  • Sind die wichtigsten Annahmen hinter der Idee aufgeschrieben?
  • Haben Sie mit mindestens einer Handvoll Menschen gesprochen, die das Problem haben?
  • Wissen Sie, wie diese das Problem heute lösen?
  • Ist klar, was die erste Version nicht kann?
  • Ist festgelegt, woran Sie nach dem Test Erfolg erkennen?
  • Weiß Ihr Anbieter, dass die App wachsen soll, wenn die Idee aufgeht?

Wie es nach der Prüfung weitergeht, beschreibt der Beitrag Eine App entwickeln lassen.