In vielen Fertigungsbetrieben gibt es zwei Welten. Im ERP stehen Aufträge, Stücklisten, Material und Liefertermine. Geplant wird aber woanders: an einer Magnettafel in der Halle, auf einem Whiteboard im Büro des Meisters oder in einer Excel-Liste, die über die Zeit gewachsen ist. Was heute auf welcher Maschine läuft, weiß verlässlich nur eine Person.

Das ist kein Versäumnis. Es hat Gründe, und wer sie kennt, findet auch den richtigen Weg in eine digitale Planung.

Warum die Planung neben dem ERP landet

Die Produktionsplanung ist der Teil eines Betriebs, der am stärksten von eigenen Regeln lebt. Ein Standardsystem kennt Aufträge und Termine. Ihr Betrieb kennt mehr:

  • Rüstfolgen. Erst die hellen Farben, dann die dunklen. Erst das dünne Material, dann das dicke. Wer die Reihenfolge falsch wählt, verliert Zeit beim Umrüsten.
  • Maschinen mit Eigenheiten. Die eine Anlage schafft das große Format, die andere nicht. Eine Maschine braucht einen bestimmten Bediener.
  • Personal und Schichten. Wer kann welche Maschine bedienen, wer ist in welcher Schicht, wer ist im Urlaub?
  • Material. Ein Auftrag kann erst starten, wenn das Material da ist. Ob es da ist, steht im ERP. Ob es schon an der Maschine liegt, steht nirgends.
  • Eilaufträge. Ein wichtiger Kunde ruft an, und der halbe Plan muss umgestellt werden.

Diese Regeln stehen in den Köpfen der Planer. Die Planungsmodule vieler Standardsysteme bilden davon einen Teil ab, aber selten so, wie es in der Halle wirklich läuft. Also plant man dort, wo man frei ist: an der Tafel oder in Excel.

Was das kostet

Solange die Planerin da ist, läuft es. Die Probleme zeigen sich an anderer Stelle:

  • Der Vertrieb sagt einen Liefertermin zu, ohne zu wissen, wie voll die Maschinen sind.
  • Die Rückmeldung aus der Halle kommt auf Zetteln und wird abends abgetippt, wenn überhaupt. Das ist doppelte Datenerfassung mitten im Kernprozess.
  • Bei einer Änderung muss jemand Tafel, Liste und ERP gleichzeitig anpassen. Meist wird eins davon vergessen.
  • Fällt die Person aus, die den Plan im Kopf hat, steht die Planung.

Was eine digitale Produktionsplanung braucht

Die Aufträge aus dem ERP

Aufträge, Mengen, Termine und Stücklisten stehen bereits im ERP. Die Planung sollte sie von dort übernehmen, nach Möglichkeit über eine Schnittstelle, statt sie ein zweites Mal zu erfassen. Was dafür nötig ist, erklärt der Beitrag Was ist eine Schnittstelle.

Kapazitäten und Regeln

Maschinen, Schichten, Qualifikationen, Rüstfolgen: Die Regeln Ihrer Planer gehören in die Anwendung. Nicht als starre Automatik, sondern als Hilfe. Die Planung schlägt vor und warnt, die Planerin entscheidet.

Material im Blick

Bevor ein Auftrag eingeplant wird, sollte sichtbar sein, ob das Material vorhanden ist. Wo Material im Lager per Scanner gebucht wird, wie im Ratgeber Barcode und Scanner im Lager beschrieben, wird diese Information verlässlich.

Rückmeldung aus der Halle

Begonnen, unterbrochen, fertig, Ausschuss: Die Rückmeldung sollte dort erfasst werden, wo die Arbeit passiert, am Terminal an der Maschine oder auf dem Tablet. Erst dann zeigt der Plan, was wirklich los ist, und nicht, was geplant war.

Änderungen ohne Chaos

Ein Eilauftrag kommt dazwischen, eine Maschine fällt aus. Die Planung muss zeigen, welche Aufträge sich dadurch verschieben und welche Liefertermine in Gefahr sind. Das ist der Moment, in dem eine digitale Planung den größten Unterschied macht.

Ein Plan für alle

Vertrieb, Meister, Lager und Geschäftsführung sehen denselben Stand. Jeder nur das, was er braucht, aber aus derselben Quelle.

Standard-Modul oder eigene Anwendung

Viele ERP-Systeme bieten ein Planungsmodul. Prüfen Sie es zuerst. Wenn Ihre Planung nach den üblichen Regeln funktioniert, ist das Modul oft der einfachste Weg.

Eine eigene Anwendung neben dem ERP lohnt sich, wenn Ihre Planung von Regeln lebt, die das Modul nicht kennt, wenn die Planer es nach einer Testphase wieder liegen lassen und zur Tafel zurückkehren, oder wenn die Rückmeldung aus der Halle so einfach sein muss, dass sie auch mit Handschuhen funktioniert. Das ERP bleibt dabei die Stelle für Aufträge, Material und Buchhaltung. Die Planung holt sich dort, was sie braucht, und meldet zurück, was fertig ist. Wie Sie die beiden Wege grundsätzlich abwägen, beschreibt der Ratgeber Individualsoftware oder Standardsoftware. Wir entwickeln solche Anwendungen in der Regel auf ElbDesk, der Grundlage, auf der wir bauen.

Wie Sie anfangen

  1. Zusehen, wie heute geplant wird. Setzen Sie sich neben die Planerin und lassen Sie sich die Tafel erklären. Schreiben Sie jede Regel auf, auch die, die „man halt weiß“.
  2. Einen Bereich wählen. Eine Maschinengruppe, eine Halle, eine Fertigungsstufe. Nicht die ganze Produktion auf einmal.
  3. Mit echten Aufträgen arbeiten. Testen Sie die Planung mit den Aufträgen dieser Woche, nicht mit Beispieldaten. Nur so zeigt sich, ob die Regeln stimmen.
  4. Die Halle früh einbeziehen. Die Rückmeldung muss für die Mitarbeiter an der Maschine einfach sein. Wenn sie umständlich ist, kommt sie nicht.
  5. Die Tafel erst abhängen, wenn der Plan stimmt. Eine Zeit lang parallel zu planen ist kein Rückschritt, sondern die Probe.

Typische Fehler

  • Alle Regeln auf einmal automatisieren. Eine Planung, die alles selbst entscheidet, wird von den Planern umgangen. Besser: vorschlagen, warnen, die Entscheidung beim Menschen lassen.
  • Ohne die Halle planen. Ohne Rückmeldung von der Maschine ist auch der digitale Plan nur eine schönere Tafel.
  • Die Daten im ERP nicht aufräumen. Falsche Stücklisten oder veraltete Arbeitsgänge machen jede Planung unbrauchbar. Mehr dazu im Ratgeber Stammdaten an einer Stelle.
  • Nur mit der Geschäftsführung sprechen. Wer täglich plant, weiß, wo es hakt. Diese Person gehört von Anfang an dazu.

Ob die Planung neben Ihrem ERP eine Erweiterung braucht oder ob mehr dahintersteckt, ordnet unser System-Check in acht Fragen ein.